Archiv für Februar 2009

Bashing U-571.

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…Junge, Junge, da ärgern sich aber die Briten… In einem Artikel heute im Guardian wird der U-Boot-Weltkriegs-Thriller „U-571″ zerfetzt – ein Film, der nach seinem Release ob seiner historischen Fehler sogar von Tony Blair im britischen Parlament als Beleidigung der britischen Marine bezeichnet wurde. Lösungsvorschlag der Historikerin Alex von Tunzelmann:

„At the time of its release, Tony Blair condemned U-571 in parliament as an insult to the Royal Navy. A far more entertaining response would have been for Britain to fund a big-budget revenge epic, in which a small platoon of foppish yet plucky Brits swans over to Vietnam in 1968, defeats the Viet Cong, and wins the war. Moreover, it would be nearly as accurate as this.“

Bild vor Augen: Eine Rotte Rotröcke mit Safarihelmen im vietnamesischen Dschungel, „The British Grenadiers“ pfeifend…

Trauer 2.0

„Die niederländische Königin Beatrix sprach den Angehörigen der Toten ihr Beileid aus. Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende kondolierte – ebenso wie Tausende Menschen, die auf einer eigens eingerichteten Website Trauer und Bestürzung bekundeten.“

(Quelle: SPIEGEL online, 26.02.2009: Flugzeugabsturz in Schiphol: Piloten von Instrumententafel erschlagen.)

Das 21. Jahrhundert – als Kondolenzbücher digital wurden…

Oh-oh.

Langsam sollten sich die Steuerzahler doch veralbert vorkommen:
- Da scheitert ein Verbotsverfahren gegen die NPD wegen der hohen Zahl an V-Leuten des Verfassungsschutzes in der Partei.
- Nichtsdestotrotz betonen die CDU-Innenminister weiterhin die Wichtigkeit der Bespitzelung, da ansonsten die Jungs werweißwas in ihren Kellerräumen anstellen könnten.
- Heute zeigt ein Spiegel-Interview mit einem NPD-Aussteiger (s. letzter Eintrag), dass die V-Leute ihren Geldgebern vielleicht nicht immer alles erzählen, was in der Partei so vor sich geht (dass beispielsweise im Keller der Jenaer NPD-Zentrale Waffen und SS-Bilder lagern).
- Und jetzt, da es in der Zeitung steht, sieht endlich auch auch das LKA Thüringen den Zeitpunkt für gekommen, etwas gegen die Nationaldemokraten zu unternehmen.

Hey, V-Leute: Was habt ihr denn noch so alles den Innenministerien verschwiegen? Geheime Klonlabors unter der Bundeszentrale?

Hitler's Brain

Was bedeutet das alles? Entweder:
1.) sind bezahlte/erpresste Neonazis nicht unbedingt verlässliche Informanten
2.) und/oder wussten die Staatsschützer doch Bescheid, hielten es aber nicht für notwendig, das entsprechende Landeskriminalamt zu informieren
3.) und/oder wusste das LKA Bescheid, sah allerdings von einer Aktion ab, die es jetzt, nachdem es ja in der Zeitung steht, nachholt.

Nichts davon klingt besonders toll.

enn peh deh.

Spiegel online, 25.02.2009: „NPD-Aussteiger: „Man singt gern das Horst-Wessel-Lied“"

taz online, 25.02.2009: „NPD-Verbotsverfahren: Streit um Abzug der V-Leute“

Liest man zuerst den ersten Artikel, fragt man sich dann doch, was die Innenministerien der Länder in den letzten Jahren alles für Horrorgeschichten über die NPD mitgekriegt haben und wie sie davon ausgehen können, dass die Überwachung das einzig Notwendige ist … ich meine, das ist so ähnlich, wie als würde man bei einem Brandstifter sagen: All right, zumindest wissen wir, wo er was anzünden will und welchen Brandsatz er verwendet. Aber um ihn festnehmen zu können, müssen wir erst aufhören, seinen Komplizen Geld zu überweisen.

Zumindest ist der Brandenburger CDU-Innen Schönbohm ehrlich1: Aus seiner Perspektive ist die NPD

derzeit in erheblichen Schwierigkeiten sowohl in finanzieller als auch in personeller Hinsicht. Niemand wisse, wohin sich die rechtsextreme Partei entwickeln werde. Deshalb komme es zunächst darauf an, sie weiterhin zu beobachten und mit demokratischen Mitteln zu bekämpfen„.

Soll heißen: Vielleicht werden ja noch nette, gemäßigte Rechte aus denen, mit denen vielleicht auch eines Tages die CDU…

  1. anders als andere CDU-Politiker die nach dem Mannichl-Attentat ungefähr zwei Tage lang lautstark und medienpräsent ein NPD-Verbot forderten und sich später davon klammheimlich verabschiedeten. [zurück]

Pforzheims brauner Sumpf.

Stelen

Seit ein paar Jahren hat sich in Pforzheim eine fast schon rührende Tradition eingebürgert: Am Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg veranstalten Neonazis oben auf dem Wartberg eine Mahnwache mit Fackeln. Dies versuchen regelmäßig mehrere hundert Gegendemonstranten unten im Tale zu verhindern. Dazwischen stehen einige Hundertschaften Polizei und halten beide Seiten getrennt. Dieses Jahr hat sich der Ablauf der Dinge ein kleines bißchen geändert: Die Linken kamen nicht.

Gründe hierfür könnten sein, dass die Pforzheimer es ihren linken Chaoten schon immer etwas schwerer gemacht haben. So durften diese in den letzten Jahren Anmeldegebühren im dreistelligen Bereich bezahlen, um Gegendemonstrationen anzumelden, antifaschistische Gruppen wurden von Staatsschutz-Beamten besucht, Treffen und Informationsveranstaltungen aus städtischen Räumlichkeiten verbannt, linke Konzerte verboten. Das alles in einer Stadt, in der die Republikaner zwei Sitze im Gemeinderat haben. Deren langjähriger CDU-Kreisvorsitzender Stefan Mappus 2001 eine Ausstellung über Neo-Faschismus in Deutschland aus Räumen der Stadt werfen ließ und der im Zuge der Oettinger-Filbinger-Affäre sich vom zuständigen Landgericht, das seinen Antrag auf eine einstweilige Verfügung abschmetterte, indirekt bescheinigen lassen musste, dass er am rechten Rand fische. In der gerade wieder ein Skandälchen köchelt, nämlich um den Präsidenten der Aktionsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg, der den von den Nazis ermordeten Dietrich Bonhoeffer als „Landesverräter“ bezeichnete.

Macht eujern Dreck alleene, mögen sich da wohl die Pforzheimer Linken gedacht haben, bloß um eure Freiheit mit zu verteidigen, stehen wir uns nicht die Beine in den Bauch, lassen uns nicht von alten Damen anspucken, vom Staatsschutz ausspitzeln und von Polizisten rumschubsen. Wenn euch das heimelig-braune Klima in eurer Stadt – in einem Loch, das verzweifelt versucht, seine Einkaufspassagen und Fussgängerzonen zu beleben, dafür aber ein Jugendzentrum nach dem anderen schließt – so gut gefällt: Bitte.

Somit dürfte Pforzheim die einzige Stadt im Bundesgebiet sein, in der es bei einem Neonaziaufmarsch keine Gegendemonstration gibt. Das alles zehn Tage, nachdem in Dresden 12.000 Bürger Flagge gegen Rechts gezeigt haben. Allein eine Gruppe hat sich dem allgemeinen Demo-Boykott nicht angeschlossen: Eine Handvoll DGBler verteilt in der Innenstadt Flugblätter gegen Nazis. Dass diese wohl als Steinewerfer und Chaoten höchst unverdächtigen, rot statt schwarz gewandeten Zeitgenossen (die sich sogar fasnachtlich passend mit bunten Perücken ausstatteten) trotzdem von Passanten angepöbelt werden, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Stadt.

Pforzheims Probleme sind derweil anderer Natur. Beim Fasching hat „eine betrunkene Frau“ den ordnungsgemäßen Ablauf des Fasnachtsumzugs verhindert. Zitat Pforzheimer Zeitung: „Oberhexenmeister Thomas Häffelin bezeichnete es als „Schweinerei“, dass unvernüftige Zuschauer anderen die Faschingsfreude getrübt hätten.“

Schön, dass nichts anderes dem Pforzheimer seine Heiterkeit trübt.

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Nachtrag: In der ersten Version dieses Artikels stand noch drin, dass die Republikaner bis in die 1990er im Pforzheimer Gemeinderat saßen – tatsächlich tun sie es immer noch mit zwei Sitzen.

Broken Crescent…

bc

Whoaaa… die gute Nachricht: Nach knapp drei Stunden Basteln und Runterladen funktioniert nun das Medieval-Mod „Broken Crescent“ auf meinem Rechner. Die schlechte Nachricht: Eigentlich sollte ich gerade nicht spielen, wenn ich doch so begeistert Hausarbeiten schreibe…:(

Naja, die Auffassung, dass Computerspiele bei der Vermittlung historischen Wissens und vor allem zum Wecken des Interesses geeignet sein könnten, setzt sich ja gerade erst durch. Man sollte nicht die Begeisterung unterschätzen, mit der Hobbyhistoriker gewillt sind, ihre PC-Spiele so historisch korrekt wie möglich zu gestalten. Und ich gehe jede Wette ein, dass ein BC-Spieler nach zwei, drei Stunden mehr über Asien zwischen Bosporus und Indischem Ozean im Mittelalter weiß, als die meisten fachfremden Historiker…

…des voleurs d‘automobiles…

Les voleurs d'automobiles
Heute auf eines.tages: Die Erfinder des Fluchtautos.

Öko-Pornisten wieder in der taz.

fff

Immer wieder geistern die Aktivisten des Öko-Porno-Anbieters Fuck For Forest durch die Medien, heute wieder in der taz (und einmal auch schon durch diesen Blog) – nachdem es im prüden Norwegen Probleme wegen Sex in der Öffentlichkeit gab, ist die Gruppe um Leona Johansson und Tommy Hol Elligsen vor vier Jahren nach Berlin gezogen… für die deutschen Medien scheinen die FuckForForestler genau die richtige Mischung aus Verruchtheit, nackter Haut und sozialem Engagement zu sein – allerdings weigern sich NGOs wie Greenpeace, die Spenden des Pärchens entgegenzunehmen…


taz online: Berliner Ökoporno-Aktivisten: Ficken für Wald in Ecuador. 24.02. 2009

PS: Kommt es mir nur so vor oder werden taz-Überschriften immer minimalistischer? Was kommt beim nächsten Mal, „Nageln für Natur“ oder „Sex/Bäume“? Muss man ein anständiges FAZ- oder Zeit-Gehalt bekommen, um sich ein winziges Deut mehr Gedanken über das machen zu können, was über den vielen Buchstaben stehen soll? ;)

Les coquelicots de Heiligendamm.

für M. ;)
coq
Wie die Kommunikationsguerilla ein Monet-Bild und ein Foto von Heiligendamm kombiniert hat, erfahrt ihr hier.

genes, memes, temes…


Susan Blackmore hat eine neue Idee, nämlich „Technik“-Meme (temes)… und sich das Video auf TED reinzuziehen, ist auch rein von der Performance genial…;)