Linke Monster.

Man kann sich mit politischen Gegnern inhaltlich auseinandersetzen und in einem demokratischen Prozess die Meinung der Bevölkerungsmehrheit entscheiden lassen. Man kann allerdings auch den politischen Gegner dämonisieren und eine Auseinandersetzung mit seinen Argumenten komplett verweigern. Letzteres kann im politischen Umfeld manchmal Vorteile bringen, in dem Fall nämlich, dass man dem Wähler eine heilige Entrüstung kommuniziert, die als Redlichkeit und Geradlinigkeit aufgefasst wird. Allerdings erschwert es auch den Umgang mit dem politischen Gegner, und ist wunderbar geeignet ein Land zu spalten. (Experten hierfür sind übrigens derzeit immer noch die amerikanischen Parteien. Kein Wunder, dass die Amerikaner ihren Politikern nicht mehr vertrauen; immerhin ist doch von jedem von ihnen hinreichend aus gegnerischen Quellen bekannt, dass er ein Monster/Lügner/Kommunist/Perverser/Idiot ist…)

Dialog mit dem politischen Gegner setzt Toleranz voraus. In einem Land, das seit 20 Jahren wiedervereinigt ist, dessen ärmere östliche Hälfte sich allerdings trotzdem noch grundlegend vom reicheren Westen unterscheidet und in der die Wahlergebnisse deutliche Unterschiede in der Politikauffassung wiederspiegeln, wäre folgerichtig genau die Toleranz das Wichtigste, um die beiden Landesteile zusammenzuführen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass inzwischen die Nachfolgepartei der ehemaligen Regierung, im Verbund mit Enttäuschten aus dem Westen die zweitstärkste (mitunter stärkste) Partei des Ostens ist.

Dann könnte eines Tages mit der Linken das möglich werden, was in den 1990ern mit den Grünen möglich wurde: Die Zusammenarbeit unter gegenseitigem Respekt (was in Italien sogar zwischen Kommunisten und Katholiken schon einmal versucht wurde).

Leider gibt es zuviele Menschen wie Guido Westerwelle, die bei jeder Gelegenheit herausblöken, wie unmöglich es für sie ist, mit jemandem von der Linken auch nur ein Gespräch zu beginnen. Die bei zu großer Nähe mit dem Angstbeißen gegen den politischen Gegner beginnen, flugs auch mal die DDR mit NS-Deutschland vergleichen und lieber Millionen Linksparteiwähler als verblendete, politisch unmündige Bürger bezeichnen, als sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Hoffnungen auseinanderzusetzen.

Dies alles findet man übrigens nicht nur in der Politik, sondern auch in den Geschichtswissenschaften – und einer der Vertreter jenes „DDR = NS“-Gedankens ist der Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe der im Spiegel und in seinem neuen Buch „Honeckers Erben. Die Wahrheit über die LINKE“ vor einer neuen Diktatur der Linkspartei in Deutschland warnt.

Dabei stört weniger, dass Knabe sich kritisch mit der Linkspartei auseinandersetzt, sondern der Alarmismus, mit der er sowohl Führung als auch Parteibasis der Linken unterstellt, mit allen Kräften auf den Umsturz hinzuarbeiten. Angesichts von NPD-Waffenlagern, angesichts von einer dreistelligen Anzahl von Toten durch rechte Gewalt seit der Wende ist das Gegenüberstellen von Links- und Rechtsaußen einfach nur falsch und naiv – es passt aber zu einem simplifizierenden, symmetrischen Weltbild, bei dem es eine bunte Sechsteilung des politischen Spektrums gibt, mit Union und SPD in der Mitte, rechts und links davon die kleineren Parteien FDP und Grüne und weiter außen dann die „Feinde der Demokratie“, Linke und NPD.

Dementsprechend spottet auch Tom Strohschneider im „Freitag“ über Knabes neue Veröffentlichung (Linkspartei: Ein Gespenst geht um. Der Freitag, 19.03. 2009: „…Wieder einmal enthüllt Hubertus Knabe „die Wahrheit“ über die Linkspartei. Wer sein neues Buch gelesen hat, fragt sich, warum der Mann eine Gedenkstätte leiten darf…“).
Und eine wunderbare Rede eines Sozialdemokraten zur Vergleichbarkeit der Linkspartei jetzt mit den Grünen in den 1980ern gibt es vom nordrhein-westfälischen MdL Edgar Moron vom 13.11. 2008 hier:

Link: Edgar Moron - Rede vom 13.11.2008