Archiv für April 2009

Jim Knopf und der antirassistische Darwinismus.

faz.net jim knopf


Julia Voss: Darwin-Jahr 2009. Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie, FAZ.net, 15. Dezember 2008

Der Artikel ist zwar schon etwas älter (ein Dozent hat mich auf ihn gestoßen), nichtsdestotrotz absolut genial: Es geht darin um eine Neuinterpretation des Kinderbuches „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ des 1995 verstorbenen Autors Michael Ende als Parabel des Darwinismus in der NS-Zeit. Danach erhielt Jim Knopf seinen Namen in Anlehnung an Darwins indigenen Reisebegleiter Jemmy Button auf der HMS Beagle und viele Themen des Kinderbuches können als Auseinandersetzung mit pseudodarwinistischen Theorien unterm Hakenkreuz gesehen werden; etwa die Drachenstadt, die nur „reinrassige“ Drachen betreten dürfen. Ende, der sich selbst oft als maßgeblich von Darwin beeinflußt bezeichnete, schrieb sozusagen die Version der Geschichte mit Happy End – und schlußendlich einem schwarzen König von Atlantis, in dessem Reich die Rasse keine Rolle mehr spielt:

„Michael Ende aber nahm das Kind Jim Knopf und schickt es noch einmal auf große Fahrt. Lummerland, das Miniaturengland, ist die Modellwelt, von der aus er die Geschichte neu konstruiert. Die Drachen, die Völker, ihre Heimat Atlantis werden den Nationalsozialisten entwendet. Die Mischwesen siegen, und alles darf sich mit allem verbinden. Rasse, Schande und Tod werden von Lukas, Jim, dem Riesen Tur Tur, Prinzessin Lisi oder Sursulapitschi überwunden; eine neue Evolution wird in Gang gesetzt.“

Ab und zu fällt es zwar schwer, den Interpretationen der Autorin zu folgen (etwa beim Unterstellen einer Intention Endes, mit Lummerland ein Miniaturmodell des Vereinigten Königreiches zu Darwins Zeiten zu schaffen, mit den drei Untertanen Frau Waas, Herr Ärmel und Lukas als Symbole für die drei Gruppen Kaufleute, Bürger und Arbeiter, die Viktorianismus, Industrialisierung und Empire vorantrieben), trotzdem ist der Artikel empfehlenswert und eigentlich müsste ich dafür eine weitere Rubrik „Gelungener Darwin-Rückgriff“ einrichten…;)

Easter Rising 2009.

Nochmal BibliOdyssey

Trireme Bibliodyssey

Bertuch, Friedrich Justin / Bertuch, Carl: Bilderbuch für Kinder: enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Früchten, Mineralien … alle nach den besten Originalen gewählt, gestochen und mit einer … den Verstandes-Kräften eines Kindes angemessenen Erklärung begleitet, Weimar und Gotha 1790.

Gefunden auf bibliOdyssey.blogspot.com, 28.04.2009

Online auch zu finden auf den Seiten der Universität Heidelberg.

Nichts ist mehr heilig…

Golo Mann wikicommons

… wobei man bei der Mann-Familie sowieso nicht mehr viel an Mythen zerstören kann; trotzdem war ich entsetzt zu lesen, dass Golo Mann laut einem Interview in der Frankfurter Rundschau anscheinend doch lockerer war, als in einem Lektüreseminar zu seiner Deutschen Geschichte des 19. und 29. Jahrhunderts im letzten Semester rüberkam. Anstatt des unterdrückten, zwangszölibatären Homosexuellen, wie er sich kurz vor seinem Tod dem Journalisten Wolfgang Korruhn gegenüber bekannte, liest man dort von einem zwar zurückhaltenderen Mann, der allerdings mitunter fröhlich seine Sexualität mit Freunden und (bezahlten) Bekanntschaften auslebte und auch an Praktiken wie Spanking und SM durchaus seinen Spaß hatte… und nun ja, der Titel des Artikels sagt schon aus, dass es dabei weniger um Historik und Literatur geht.

Interview zu Golo Mann mit Rudi Bliggenstorfer: „Hau ihn, hau ihn, ruhig ein bisschen mehr“. Frankfurter Rundschau, 27.04.2009

Your Nerdness.

Bin mal wieder auf einen wunderbar sinnlosen, aber nichtsdestotrotz witzigen Blog gestossen: www.evilmadscientist.com, in dem man die neuesten und geekigsten Sachen finden kann…
… wie z.B. die ultimative Fußmatte für den „Pi Day“:
pi day
„Pi Pie Trivet“, 14.03. 2009

… einen Bauplan für einen ewigen Kalender für Menschen mit intuitiver Kenntnis des binären Systems:
Cheap Perpetual calender at evilmadscientist
„Cheap Perpetual Calender“, 30.12. 2008

oder einen Link zu einem Strickplan für den Schal des vierten „Doctors“…;)

Hubschrauber über Heiligendamm.

Gerade erst habe ich auf globalpiratesthefilm.blogspot.com diesen YouTube-Link gefunden, der etwa ansatzweise zeigt, was wir nach unserer Rückkehr den Daheimgebliebenen nie genau rüberbringen konnten: Wie majestätisch und erhaben und auch beängstigend eine Hubschrauberflotte von sieben Maschinen aussieht, die 20 Meter über einem über mecklenburg-vorpommersche Getreidefelder brettert…

I love the smell of napalm in the morning….

Artentransfer.

Guardian mountain chicken frogIn der Hoffnung, ihr Aussterben zu verhindern, haben Umweltschützer 50 Exemplare der Südfroschart Leptodactylus fallax („mountain chicken frog“) aus ihrer angestammten Heimat, der Karibikinsel Montserrat entfernt, die Frösche haben fürs erste eine neue Heimat in London und New Jersey gefunden. Nötiggeworden war dies, da der natürliche Lebensraum der Art (für die sich im deutschsprachigen Internet die Namen „Gebirgsküken“ bzw. „Antillen-Ochsenfrosch“ finden) durch eine Pilzinfektion bedroht war.

„Montserrat: Rare ‚mountain chicken‘ frogs airlifted from path of deadly fungus“, The Guardian, 21.04. 2009

Shane MacGowan lebt!

…und wie!

Die Uranmaschine.

Spiegel Heisenberg Uran

Karlsruher Wissenschaftler haben sich erneut mit dem Uranprojekt des deutschen Heeres und dem Methodenstreit zwischen Heisenberg und Diebner beschäftigt und sozusagen mit „Nuklear-Forensik“ (SPIEGEL) Neues zu Hitlers Atombombe herausgefunden:

Der intakte [Uran-]Würfel und das Fragment wurden demnach spätestens im Herbst 1943, die Uranplatte schon Mitte 1940 hergestellt. Anhand der chemischen Verunreinigungen konnten die Forscher die Proben der Uranmine Joachimsthal zuordnen. Das wichtigste Ergebnis aber: ‚Der Würfel hat kaum Neutronen abbekommen‘, so Mayer. Das lege nahe, dass der Uranverein ‚weit davon entfernt war, eine selbsterhaltende Kettenreaktion zu erschaffen‘. Fazit der Wissenschaftler: Die Deutschen hätten nur dann einen Reaktor mit selbsterhaltender Kettenreaktion bauen können, wenn die Arbeitsgruppen von Diebner und Heisenberg ihre Würfel kombiniert hätten. Dies war jedoch kurz vor Kriegsende nicht mehr möglich.

Markus Becker, Nuklear-Forensik: „Heisenberg-Würfel“ verrät Details über Hitlers Atomprogramm. Spiegel Online, 19.03. 2009

Retro-Laptops.

Bei einem Workshop Anfang des Jahres gab es schon einen Steampunk-Laptop zu sehen:

Steampunk laptop

nun berichtet SPON über einen Laptop aus einem C64-Gehäuse….

C64 laptop

Matthias Kremp: C64-Laptop. Von diesem Notebook träumten die Achtziger. SPIEGEL Online, 19.04. 2009