Jim Knopf und der antirassistische Darwinismus.

faz.net jim knopf


Julia Voss: Darwin-Jahr 2009. Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie, FAZ.net, 15. Dezember 2008

Der Artikel ist zwar schon etwas älter (ein Dozent hat mich auf ihn gestoßen), nichtsdestotrotz absolut genial: Es geht darin um eine Neuinterpretation des Kinderbuches „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ des 1995 verstorbenen Autors Michael Ende als Parabel des Darwinismus in der NS-Zeit. Danach erhielt Jim Knopf seinen Namen in Anlehnung an Darwins indigenen Reisebegleiter Jemmy Button auf der HMS Beagle und viele Themen des Kinderbuches können als Auseinandersetzung mit pseudodarwinistischen Theorien unterm Hakenkreuz gesehen werden; etwa die Drachenstadt, die nur „reinrassige“ Drachen betreten dürfen. Ende, der sich selbst oft als maßgeblich von Darwin beeinflußt bezeichnete, schrieb sozusagen die Version der Geschichte mit Happy End – und schlußendlich einem schwarzen König von Atlantis, in dessem Reich die Rasse keine Rolle mehr spielt:

„Michael Ende aber nahm das Kind Jim Knopf und schickt es noch einmal auf große Fahrt. Lummerland, das Miniaturengland, ist die Modellwelt, von der aus er die Geschichte neu konstruiert. Die Drachen, die Völker, ihre Heimat Atlantis werden den Nationalsozialisten entwendet. Die Mischwesen siegen, und alles darf sich mit allem verbinden. Rasse, Schande und Tod werden von Lukas, Jim, dem Riesen Tur Tur, Prinzessin Lisi oder Sursulapitschi überwunden; eine neue Evolution wird in Gang gesetzt.“

Ab und zu fällt es zwar schwer, den Interpretationen der Autorin zu folgen (etwa beim Unterstellen einer Intention Endes, mit Lummerland ein Miniaturmodell des Vereinigten Königreiches zu Darwins Zeiten zu schaffen, mit den drei Untertanen Frau Waas, Herr Ärmel und Lukas als Symbole für die drei Gruppen Kaufleute, Bürger und Arbeiter, die Viktorianismus, Industrialisierung und Empire vorantrieben), trotzdem ist der Artikel empfehlenswert und eigentlich müsste ich dafür eine weitere Rubrik „Gelungener Darwin-Rückgriff“ einrichten…;)


1 Antwort auf “Jim Knopf und der antirassistische Darwinismus.”


  1. 1 Administrator 26. Mai 2009 um 23:12 Uhr

    Übrigens erinnert das Ganze ein bißchen an Daths „Die Abschaffung der Arten“…

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