Abschaffung der Arten 2.0

Dawkins

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins zündelt heute fröhlich auf Spiegel Online und sinniert darüber, dass Speziezismus1 sich wohl nicht länger halten könnte, wenn die Grenzen zwischen Tier und Mensch im Rahmen der biologischen Fortschritte der Zukunft langsam aufgelöst würden:

…Erfolgreiche Kreuzung von Mensch und Schimpanse… Selbst wenn ein solches Mischwesen unfruchtbar wäre wie ein Maultier – die Erschütterung, die durch die Gesellschaft ginge, wäre durchaus heilsam für die nur auf den Menschen fixierte Ethik. Ein angesehener Biologe hat diese Möglichkeit als das unmoralischste aller wissenschaftlichen Experimente bezeichnet.


Richard Dawkins, Plädoyer für den ultimativen Tabubruch, Spiegel Online, 08.06.2009

Obwohl ich selbst in der Hinsicht etwas fortschrittskritischer bin (Gentechnik ist High Tech, und High Tech meist eine Sache staatlicher (= militärischer) Investoren und großer Unternehmen, weil die als einzige die Mittel bieten können – und sich in diesen Händen die Zukunft der Menschheit vorzustellen ist genauso gruselig wie rückblickende Erinnerungen an Prognosen aus den 1990ern, nach denen ein freier, deregulierter Markt das Beste ist, was der Weltwirtschaft geschehen kann) kann ich dem kurzen Artikel (am Telefon diktiert?2) [zumindest theoretisch] doch einiges abgewinnen: Es geht [zumindest theoretisch] nicht darum, wild an der menschlichen Genetik zu schrauben oder die Menschenrechte auszuhöhlen, sondern im Gegenteil, auch Tiere in eine inter- und intraspezielle Ethik miteinzubeziehen und auf die Doppelmoral in einer Weltsicht hinzuweisen, nach der „eine einzellige menschliche Zygote ohne Nerven und Leidensfähigkeit unendlich heilig [ist] - einfach weil sie „menschlich“ ist“ während „diejenigen, die in Abtreibungskliniken Sprengsätze legen, … nicht dafür bekannt [sind], dass sie Veganer sind“.

Jemand sollte übrigens mal Dietmar Dath und Dawkins einander vorstellen. Die beiden würden sich wohl prächtig verstehen.

  1. Uaargh, hier stand die letzten Tage noch „Antispeziezismus“… was so passiert, wenn man verpeilt tippt… danke für den Tipp! [zurück]
  2. „Ich will nicht sagen, dass ich darauf hoffe, dass einer dieser Wege beschritten wird. Dazu müsste ich ausführlicher darüber nachdenken.“ Richard Dawkins, Plädoyer für den ultimativen Tabubruch, Spiegel Online, 08.06.2009″ [zurück]