Archiv für Juni 2009

Kann jemand arabisch?

MyLibrary.

Photosynth von Microsoft ist ein Programm, das aus Einzelbildern einen 3D-Raum berechnet und wurde als Konkurrenz zu Googles StreetView konstruiert, nur eben eher für Innen- als Außenansichten. Jetzt könnte man sagen: Nettes Teil, falls ich mehr Zeit mit dem Fotografieren des Urlaubsort als mit dem Urlaub selbst dort verbringen will, habe ich ja nun genau das Richtige gefunden. Andere Anwendungsgebiete könnte das Erstellen eines Planes für den Einbruch in ein Museum sein – vorausgesetzt, es fällt niemandem auf, dass man den Tag damit verbringt, jeden Quadratzentimeter der Wände abzufotografieren. Also auf jeden Fall schick, futuristisch, spock1 – und herzlich nutzlos. Der Multimedia-Dozent, der mich darauf stieß, schlug uns vor, dass wir den Weg zur nächsten WG-Party abfotografieren und die entstandene Wegbeschreibung an Gäste von außerhalb verschicken.

Was aber, wenn ich meine eigene Bibliothek damit abfotografiere und sie ins Netz stelle?
1.) könnten so Kommilitonen und Kollegen sich einen Einblick verschaffen, was mich interessiert, was ich für lesenswert halte, wie die Mischung von wissenschaftlicher und fiktioneller Literatur beschaffen ist und ob ich Ausgaben von Büchern habe, die nicht mehr aufgelegt werden.
2.) könnte man bei Bedarf, wenn die Zeit knapp wird bis zur Abgabe einer Arbeit und keine Bibliothek mehr offen hat, einfach kurz nachfragen, ob man sich Conrad Matschoss, Große Ingenieure. Lebensbeschreibungen aus der Geschichte der Technik, München, 1937 ausleihen kann (zugegebenermaßen halte ich es für wahrscheinlicher, dass eher Kommilitonen darauf zurückgreifen)
3.) sind Bücher für Wissenschaftler oft nicht nur Informationsquellen, sondern auch Statussymbole. In der Geschichte kann das der Ploetz sein, in der Technikgeschichte die gleichnamige Propyläen-Reihe oder bei Physikern der Tippler – eifrige Forscher könnten sich also geschmeichelt fühlen, ihre Bibliothek abzufotografieren und wie eine Visitenkarte ins Netz zu stellen, um die Mischung aus Erstauflagen und Antiquitäten vorzuzeigen. Gleichzeitig könnten sie sich damit besser und glaubwürdiger darstellen als mit einem XING-Profil.

[Und der nächste Schritt wären dann die Hyperlinks zu den Büchern auf Projekt Gutenberg bzw. anderen Open Source-Seiten…]

Was auch immer, witzig wäre es, sich durch andere Bibliotheken durchzuklicken. Dasselbe, wie wenn man bei jemandem zu Besuch ist und sich seine Bücher anschaut. Und bei manchen Kollegen würden viele von uns wohl den rechten Arm geben, um zu erfahren, was sie so in ihrer Freizeit lesen.

Matthias Kremp: Microsoft Photosynth. Aus Schnappschüssen werden 3D-Bilder. Spiegel Online, 21.08.2008

Felix Knoke: Virtual Earth und Photosynth. Eine Welt aus 3-D-Schnappschüssen, Spiegel Online, 09.05.2009

Achja, einen Haken hat die Sache doch: Man muss zum Ankucken der Synth-Welten Microsoft Silverlight installieren, das ist im Grunde genommen die MS-Antwort auf Flash…

  1. Doctor Who, The Empty Child, Ausstrahlung 21. Mai 2005, BBC [zurück]

Yee-Haaa!

I‘m deeply, deeply honoured… dass der ganze Nerdkram soviel Leute interessiert hätte ich nicht gedacht. Dankeschön an alle Besucher! Und dankeschön für die Möglichkeit, hier publizieren zu können!

PS: Wohl mein erstes beabsichtigtes Posting in der Kategorie „Allgemein“.

Black Flag Flying

Tani hat es schon geschrieben… falls ihr uninteressiert an der Piratenpartei, aber interessiert an wunderbarem Folk Rock seid, kuckt euch das Video allein schon wegen der Musik an…

Musik: David Rovics, „Black Flag Flying“

Noch vier Tage… Spread the word

Der Job des Historikers…

lalala

…scheint darin zu bestehen, sich mit Kaffee und Energy Drinks zuzulöten, ein paar unschätzbar wertvolle Seiten voller Fußnoten zu verfassen1, irgendwann „Jetzt reicht’s!“ zu sagen… und sich darauffolgend mit Kochwein, Wodka und Bier ebenfalls wieder zuzulöten, um endlich schlafen gehen zu können…

PS: Was die geklaute Grafik oben angeht: Niemals habe ich weniger Energie in die Suche nach etwas Passendem reingesteckt, als in der Müdigkeit des heutigen Abends…

PPS: Und die Vögel zwitschern! :)

  1. Bitte nicht unterschätzen. Mitunter sind das Seiten, bei denen jeder Satz eine halbe Stunde energische Recherche, gnadenloses Nachdenken, wütendes Herumstapfen, sorgfältig-vorsichtiges Formulieren und plötzliche Geistesblitze sieht… und das im vollen Bewusstsein, dass man sich eigentlich mal wieder die dritte Staffel Blackadder in-a-row reinziehen könnte…;) [zurück]

Lesestunde.

Piratenpartei bei der Europawahl!

Ok,
bei dieser Europawahl gebe ich wohl meine Stimme der Piratenpartei. Ich meine, wenn es die Piraten reinschaffen, hätte ich wohl das erste Mal, seitdem ich den Europabogen ausfülle, das Gefühl, dass es eine Rolle spielt, wofür ich mich alle 5 Jahre entscheide.

Leyen Schäuble


Hier übrigens noch ein interessanter Text des schwedischen Autors Lars Gustafsson mit der Begründung seiner Entscheidung (Übersetzung von Jens Seipenbusch, Piratenpartei):

Lars Gustafsson: „Warum ich die Piratenpartei wähle“

Einer alten Quelle zufolge ordnete der Kaiser von Persien an, dass die Wellen der See mit Schlägen bestraft werden müssten, weil ein Sturm ihn daran hinderte, seine Truppen per Schiff zu transportieren.

Das war ziemlich dumm von ihm. Hätte er es heutzutage womöglich mit dem Stockholmer Bezirksgericht versucht? Oder mit einem Beratungsgespräch mit dem Richter? Es ist seltsam, wie stark mich die Situation im Frühjahr 2009 – auf dem Feld der Bürgerrechte – an die Kämpfe um die Pressefreiheit in Frankreich während der Dekaden vor der französischen Revolution erinnert. Eine neue Welt der Ideen entsteht und hätte nicht entstehen können ohne die beschleunigende Technologie. Razzien gegen geheime Druckereien, konfiszierte Streitschriften und – sogar – konfiszierte Druckmaschinen (/Druckerpressen). Haftbefehle und abenteuerliche nächtliche Transporte zwischen der preußischen Enklave Neuchâtel – wo nicht nur große Teile der Enzyklopädie produziert wurden sondern auch viel gewagte Pornographie, dazwischen atheistische Flugblätter – und Paris. Zwischen den 1740ern und 1790ern hat sich die Anzahl staatlicher Zensoren in Frankreich vervierfacht. Die Razzien gegen illegale Druckereien nahmen etwa im gleichen Maße zu. Im Rückblick wissen wir, dass es nicht geholfen hat. Im Gegenteil, die Zunahme von Zensur und Druckerei-Razzien hatte einen stimulierenden Effekt auf die neuen Ideen und hat sie sich sogar noch schneller verbreiten lassen.

Heute wütet der Streit über das Weiterbestehen des Internets als Forum von Ideen und als Verkörperung[U] von Bürgerrechten, geschützt vor die Privatsphäre bedrohenden Eingriffen und gegen mächtige private Interessen. Dass eine verrückter französisch-deutscher Vorschlag gerade vom Europäischen Parlament zurückgewiesen wurde, bedeutet sicherlich nicht, dass die Freiheit des Netzes und die Privatsphäre nun gewährleistet sind. Wie real sind nun diese Bedrohungen? Denken wir an den Fluß Dalälven zur Zeit der Schneeschmelze im Frühjahr.[U] In kritischen Jahren dringt das Wasser 100 oder 200 Meter weit auf Grundstücke und Wiesen vor. Hilft es da, wenn man die örtliche Polizei [von Ludvika] anruft?

Bislang – dies zeigt die geschichtliche Erfahrung – hat die Gesetzgebung es noch nie vermocht, technologische Entwicklungen zu stoppen. Walter Benjamin hat ein einflußreiches Essay geschrieben, dessen Titel üblicherweise als „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ übersetzt wird, und in dem er eine Reihe interessanter Schlußfolgerungen zieht hinsichtlich der radikalen Veränderungen, die auf den seinerzeit bescheidenen Grad der Reproduzierbarkeit folgen müssen. Die digitale Revolution hat eine Reproduzierbarkeit mit sich gebracht, von der Walter Benjamin wohl kaum je geträumt haben dürfte.Man könnte von maximaler Reproduzierbarkeit sprechen. Google baut gerade eine Bibliothek auf, die, falls ihr zu wachsen erlaubt wird, die meisten anderen Bibliotheken überflüssig oder zumindest überholt erscheinen läßt.

Kinofilme und gedruckte Zeitungen werden schon seit längerem in diese neue Immaterialität hineingezogen. Filme, Novellen, Magazine lassen sich [selbst] reproduzieren. Mehr noch, auch dreidimensionale Objekte, wie Produkte von programmierbaren CNC-Drehmaschinen, lassen sich reproduzieren. Drahtlos und schnell. Diese Immaterialisierung bedroht natürlich das materielle Copyright. Und dabei sprechen wir nicht nur über mittelmäßige Autoren, wie Herrn Jan Guillou, dessen soziale Probleme beim Akquirieren neuer Landstände ich ehrlicherweise ignoriere.

Materielles Copyright(/Urheberrecht) hat viel ernstere Aspekte: Was haben die Patente großer Pharmaziefirmen auf Aids-Medikamente für die Dritte Welt bedeutet? Oder was ist mit dem Anspruch von Monsanto auf Rechte an Getreide und Schweinen? Jede Gesellschaft muss ihren Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen finden und jeder heuchlerische Versuch, dies zu ignorieren, ist Unfug. Eine funktionierende militärische Verteidigung ist wichtiger als Eissporthallen und Fahrradwege. Wahrscheinlich stellt das Netz eine Bedrohung des Copyrights auf Material dar, na und?

Intellektuelle und persönliche Integrität für die Bürger, kurz gesagt ein Internet, das nicht von lobbygetränkten Gerichten und angeleinten EU-Politikern in einen Regierungskanal umgewandelt wurde, ist wohl wichtiger als die Belange einer primär industriellen Szene der Literatur und Musik, die bereits zu Lebzeiten der Autoren schnell zerbröckelt. Das Bedürfnis gelesen zu werden, zu beeinflussen, die eigenen Zeiten in Worte zu fassen, mag in Konflikt geraten mit dem Wunsch, viele Kopien zu verkaufen, muss es aber nicht zwingenderweise. Wenn diese beiden Bedürfnisse in Konflikt geraten, muss das industrielle Interesse zurückgestellt werden und der große intellektuelle Bereich der Künste muss gegen Bedrohungen verteidigt werden.

Das wesentliche Interesse von Künstlern und Autoren, vorausgesetzt sie sind intellektuell und moralisch ernsthaft in dem was sie tun, muss sicher das sein, gelesen zu werden, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen in ihrer Generation. Wie dieses Ziel erreicht wird, das heisst, wie man die Leser erreicht, ist aus dieser Perspektive von sekundärem Belang.

Die zunehmende Verteidigung der durch das Internet ausgedehnten Meinungsfreiheit, der immateriellen Bürgerrechte, deren Zeuge wir heute in einem Land nach dem anderen werden, ist der Beginn eines – genauso wie zuletzt im frühen 18. Jahrhundert – Liberalismus, der von einer Technologie getragen wird und daher emanzipiert ist.

Aus diesem Grund geht meine Stimme an die Piratenpartei. (se, de)

SumoPaint.

Wer schon immer mal ein In-Browser-Grafikprogramm testen wollte:

Sumo Paint 1.1

Angeblich soll das ja die Zukunft von PC und Internet werden und mit gemeinfreien Programmen sind da bestimmt ganz, ganz viele Chancen drin… trotzdem würde ich wohl tillen, wenn die hängengebliebene Simpsons-Folge im anderen Tab meine über Stunden mühsam gestückelte Grafik zum Absturz bringen würde… Trotzdem nette Photoshop-Imitation.

[gefunden auf evilmadscientist]

Ufff…

…heute nacht 5 Seiten runtergerissen… und morgen sollte der Artikel, an dem ich nun schon anderthalb Wochen feile, fertig sein. Thema: Technische Evolution.

Bei der Betrachtung der Theorien Max Benses, Hugo Theodor Horwitz‘ und auch Samuel Butlers fällt auf, dass sich das Verständnis von Intelligenz im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts grundsätzlich gewandelt hat: Sieht Bense noch die Hollerithmaschine als Symbol einer maschinellen Logik und ihre Prozesse analog zu einem geistigen Vorgang und kommt Butlers These einer kommenden Versklavung der Menschheit durch die Maschinen noch vollkommen ohne eine technische Eigendynamik oder Ambition ihrerseits aus, so ist zwischen 20. und 21. Jahrhundert mit künstlicher Intelligenz weitaus mehr verbunden: Emotionen, Empathie, Dialogfähigkeit, ein Bewusstsein, das sich selbst in Frage stellen kann. Die kulturellen Ansprüche an eine künstliche Intelligenz beinhalten nun einen komplexeren Kanon an „menschlichen“ Attributen als ein paar Jahrzehnte zuvor noch. So sind beispielsweise die Cybermen, kybernetische Bösewichte in der BBC-Science-Fiction-Serie Doctor Who in den 1960er Jahren, als emotionslose und rein logisch argumentierende Gegner für ihre Epoche glaubwürdig; die Königin der kybernetischen Borg-Schwarmintelligenz aus dem achten Star Trek-Film „First Contact“ von 1996 wird hingegen zwar als rein logische Antagonistin eingeführt, entpuppt sich aber im Laufe der Handlung als individuelle Einheit und fast genauso emotional gesteuert wie ihre humanen Gegenspieler.

Cybermen
(1966)

Borg Queen
(1996)

Oh, und…

…achja…