Archiv für August 2009

Wenn das Elektronenhirn der Mensch-Maschine versagt…

… oder: Zombies der Technik. Eigentlich komisch, meist geht es bei Cyborgs im allgemeinen Sprachgebrauch ja nur um Hardware-Ersatz für Lebewesen wie künstliche Gliedmaßen, Organe etc. – seltener um eine technische Steuerung, die organische Komponenten hat. Fällt mir wohl nur wegen der Urlaubsrückfahrt vor zwei Tagen auf.

Thomas Hillenbrand, Abgewürgt. Navi an, Gehirn aus, Spiegel Online, 28.08.2009

Goldig!

Star Treks Stärken lagen schon immer mehr in der Vision als in den Martial Art-Szenen.

Wahleffekte dämpfen Börsenstimmung.

An der Börse sorgt man sich, dass es bei der Bundestagswahl für die schwarz-gelbe Mehrheit nicht reicht. So lesen jedenfalls Händler die verhaltene Stimmung auf dem Parkett. Der Dax kann immerhin seine morgendlichen Verluste, die zeitweise 1,4 Prozent betrugen, bis zum Mittag deutlich reduzieren.

ARD.de, China und Wahleffekte dämpfen Börsenstimmung, 31.08.2009 11:52

Wenn die Verschulder der Finanzkrise soviel Angst vor Rot-Rot-Grün haben, muss das ja was Gutes sein…

PS: Danke, Valle, für die Empfehlung! ;)

„Im Saarland wird der grüne Blumentopf von denjenigen gewonnen werden, die den meisten Biodünger und die größte Gießkanne mitbringen.“

Das Ergebnis eröffnet auch den Grünen ungeahnte Möglichkeiten. Im Saarland spricht zwar vieles für die Bildung einer rot-rot-grünen Koalition. Allerdings haben die Grünen auch eine Regierung mit der CDU und der FDP nicht ausgeschlossen, die in Saarbrücken jedoch nur über eine knappe Mehrheit verfügen würde. Im Saarland wird der grüne Blumentopf von denjenigen gewonnen werden, die den meisten Biodünger und die größte Gießkanne mitbringen.

Im Ernst? Bitte um Kommentare von Grünen dazu…

Claus Christian Malzahn, Hallo-Wach vom Wähler. Spiegel Online, 30.08.2009

Was also realexistierender Faschismus ist.

ss?

Rechts: Der Kampf um die Straße von NPD und SS kurz vor Öffnen der Kommunalwahllokale in Düren. Klarmanns Welt, 30. August 2009

Summer Hole.

Puh. Gestern aus Frankreich zurückgekommen – saucooler Urlaub an der Ardèche. Auf dem Rückweg dann an den Tankstellen die Schlagzeilen registriert, losgewesen scheint hier in den letzten 7 Tagen nicht viel zu sein, oder? Irgendwie hält das Sommerloch immer noch an. Trotzdem war ich baff, als ich das gerade auf SPON fand:

Spiegel Online

Ohne jetzt dem Ganzen die Bedeutung absprechen oder es lächerlich machen zu wollen (immerhin ein ernstes Thema): In den restlichen 51 Wochen des Jahres werden sich beim Spiegel wohl mehrere Ressorts erbittert darum streiten, welches ihrer Themen auf die Titelseite kommt.

„Wir haben uns jetzt langsam strukturiert und gehen zum Gegenschlag über.“

Aus Mails zwischen JN-Funktionär Thomas B. und NPD-Mann Christoph B., welche der taz ebenfalls vorliegen, geht hervor, dass beide gegen die starke linke Szene im Freiburger Raum vorgehen wollten. Am dritten November 2007 schreibt Thomas B. an „Kamerad Christoph“, er habe Interesse an einer Mitgliedschaft bei den Jungen Nationaldemokraten, „um hier unten einen JN Stützpunkt aufzuziehen“. Acht Leute kriege er bestimmt zusammen. Am 12. April 2008 möchte Thomas B. dann schon „die Namen und Adressen von wichtigen politischen Gegnern in dieser Umgebung.“ Grund: „Wir haben uns jetzt langsam strukturiert und gehen zum Gegenschlag über.“

Am gleichen Tag schreibt Christoph B. zurück: „Ich kann dir Adressen geben, leider habe ich nicht viele.“ Deshalb brauche man ein unbekanntes Gesicht, dass beim nächsten Antifa-Vortrag in Freiburg dabei sei, denn so käme man auch an neue Namen und Adressen. Am folgenden Tag legt Christoph B. nach: „Die Adresse des DGB-Vorsitzenden Freiburg suche ich noch heraus.“ Grund: Der NPD-Kader verdächtigte den Gewerkschaftsbund mit der Antifa Freiburg zusammenzuarbeiten.

Ein Sprecher dieser Antifa-Gruppe sagte der taz, man habe Thomas B. und seine Freunde mehrfach dabei überrascht, als sie das alternative Freiburger Jugendzentrum KTS ausspionieren wollten. „Die Einzeltäterthese ist falsch“, sagt der Sprecher. Er wirft den Jungen Nationaldemokraten und der Kameradschaft „Freie Kräfte Lörrach“ vor, den mutmaßlichen Bombenbastler unterstützt zu haben.

A. Speit, D. Schulz, Rechtsextremismus: Neonazi doch kein Einzeltäter? taz Online, 30. August 2009

Ich mag Pointen.

NHS

…vor allem, wenn sie ein der eigenen medizinischen Kultur kritisch gegenüber eingestellter Amerikaner in eine Kurzgeschichte über den NHS einbaut:

…Directly following the birth, we were taken to a large ward whose 20-odd beds were separated by curtains and changing tables. It was visiting hour; the place was alive with excited relatives, shellshocked fathers and the constant susurrus of hungry new life. That first night, however, the atmosphere grew peaceful. Crying babies were attended immediately by sensibly-shod nurses so that others could sleep. But it was after my daughter began to turn the color of saffron rice that I really began to appreciate the NHS. The moment she showed distress, we were whisked off to a private room, where we were looked after by a no-nonsense pediatrician and the imposing Irish ward sister, or chief nurse, who quickly made it clear to me that my sole useful contribution to the whole process had come nine months earlier. Blood was drawn regularly from our daughter’s tiny heel; test results came back promptly. The meals were surprisingly edible. I even developed a taste for the milky tea brought to me by kind nurses. My only complaints over the following week were that the free cookies in the father’s lounge were always running out. And for some reason the ward sister kept giving me withering looks, no matter how dutifully I attended to my family’s needs.

On the day we were finally given the all-clear, there were no papers to sign, no bills to settle. All we had to do was remove our daughter’s blindfold and go. But I felt I had to leave something behind. So I rushed down to the local corner shop and bought several tins of cookies to give the staff who’d looked after us so well. As luck would have it, the Irish ward sister was the only one at the nurse’s station when I arrived. Before I could explain myself, she gave me a tight, approving smile.

„Wondered when you’d start chipping in,“ she said, returning to her paperwork. „Just leave them in the father’s lounge.“


Stephen Amidon, Why I love Britain’s socialized healthcare system. salon.com, 22.08.2009

Jerk.

Ok, „Religulous“ ist vielleicht nicht das subtilste Machwerk und der Vergleich „Michael Moore für Atheisten“ trifft es eigentlich ganz gut… aber wenn ich mir den Kreationistenmüll ansehe, der auf kino.to auf der Startseite gerade zum Download steht, dann finde ich auch die schroffste und ungehobeltste Weise, mit christlichen Fundamentalisten umzugehen, vollkommen legal und gerechtfertigt. Eigentlich schon wieder so trashig, dass es lustig ist.

Auswahl gefällig?
„Das Unglück, dass [sic!] der Darwinismus über die Menschheit brachte“
„Der Evolutionsschwindel“

Noch was zum Mob:

Mit einer innovativen Aktionsform wollten Neonazis in diesem Jahr in Form von „Flashmobs“ zur Heß-Ehrung antreten. Doch die flapsige Nazi-Feier stieß in den eigenen Reihen nicht nur wegen zu viel Modernismus auf Kritik; es wurde auch befürchtet, damit liefere man unnötig „Kameraden“ an Polizei und Antifa aus. Zur Verteidigung des Konzeptes traten in der Folge nur noch wenige Neonazi-Gruppen an wie etwa das Internetportal „Spreelichter“ aus Südbrandenburg, das von Szenekennern als Ursprung der „Hessmob“-Idee vermutet wird.

Und weiter:

Doch die Lausitzer „Widerstandskämpfer“ fanden bundesweit nur wenig Widerhall. In den alten Bundesländern trafen sich nur vereinzelt kleine Gruppen von Neonazis in Provinzstädten wie etwa dem badischen Emmendingen, wo ein knappes Dutzend Heß-Fans auf bereits wartende Gegendemonstranten traf. In verschiedenen Städten wie Ulm, Karlsruhe, Darmstadt, Bonn, Frankfurt/Main und selbst in kleineren Orten wie Schwarzenbek (Schleswig-Holstein) warteten jeweils Hunderte Nazi-Gegner auf den angekündigten „Hessmob“, der dort jedoch mit Null-Präsenz ausfiel. So hatten auch die jeweils bereit stehenden Polizeikräfte wenig zu tun. Lediglich in Wetzlar wurde nach Polizeiangaben auf der Lahn ein Schlauchboot mit Rechtsextremisten aufgegriffen. Die Beamten stellten die Personalien des Mobs im Gummiboot fest.

Rocken ist was anderes.

Neonazis: Brauner Mob flashte nicht. redok, 17.08. 2009