Piraten ohne Kompass?

Tja…

eigentlich wollte ich gerade einen Blog-Eintrag schreiben, in dem ich mich über die mittel-extremen bis anti-linken Kommentare zum Interview des Piraten-Vizes Andi Popp mit der Jungen Freiheit in seinem Blog auskotze…

„Wikipedia ist für (gesellschafts)politische Themen alles andere als eine objektive Informationsquelle. In solchen Fragen gibt es dort eine feministisch-linke Diskurshoheit. Alles andere wird weggemobbt und teilweise auch zensiert. Das sage ich, obwohl ich auch mal links dachte (68iger). Nun hat die SPD unter Schröder leider alle ihre Prinzipien verraten. Heute würde ich mich eher als Linksliberal bezeichnen. Denn wir haben unter den Mainstream-Medien keine Meinungsfreiheit mehr in diesem Lande, und zu denen gehört eben auch Wikipedia, die deshalb auch gerne schon als WikiPrawda bezeichnet wird.“

„Es ist eben dieser linke 68er Mainstream (Das Private ist politisch!), der zu der jetzigen Situation der Netzzensur geführt hat. Die Gebote des GG sind zutiefst konservative Werte und die finde ich ganz prima.
Also andi, wenn Du einen Arsch in der Hose hast, salbadere nicht derart dämliches, linkes Zeitgeistgeschwätz daher. Einfach mal Hirn einschalten und nicht in jedes (linke) Arschloch kriechen. DAS versprechen sich nämlich eure Wähler von euch!“

„Vor allem wenn nun die steineschmeißenden Linken ihre Naziplatzpatrönchen werfen und denken sie wären besonders un-Autobahn. Meist haben genau diese „Linken“ noch nicht einmal in der JF den Artikel gelesen. Nur so aus Troz, aber auch wegen Leseschwäche. Weil „rechts“ darf man nicht lesen, das unterliegt der Gedankenkontrolle, denn einfache Geister könnten ja schwach werden und auf einmal für „Rechts“ ihre Steinchen werfen (Ups, die werfen ja viel weniger, dann eben doch nicht, is ja auch viel zu wenig gebacken).“

… aber jemand anderes hat sich schon darum gekümmert:

„Das Erschreckende ist nicht, dass der Stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei Andreas Popp der Jungen Freiheit ein Interview gegeben hat. Das Erschreckende ist auch nicht, dass Andreas Popp keine Ahnung hatte, wer oder was die Junge Freiheit ist. Genau genommen ist beides schon erschreckend genug. Aber gänzlich zur Geisterbahnfahrt wird die ganze Geschichte angesichts der zwischen Opportunismus und Wassollsismus inzwischen schon in die Hunderte gehenden Kommentare von Piratenanhängern auf Twitter und im Popp-Blog. Zur Durchsetzung der Bürgerrechte ist jedes Mittel recht. Wäre mein Jahresvorrat an Hitlervergleichen nicht aufgebraucht, würde ich sagen: Es riecht nach von Papen…

…Das Interview von Andreas Popp mit der JF war im Zweifelsfall sehr sehr dämlich, wenn man etwas kritischer sein will: ein politisches No-Go und schierer Dilettantismus. Viel schlimmer aber ist, dass die meisten kommentierenden Piraten offensichtlich vor lauter Pragmatismus vergessen, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen.

In dem Fall: Ob sie sich entscheiden, Rechtsextreme zu instrumentalisieren. Und sich gleichzeitig durch Rechtsextreme instrumentalisieren lassen.

Es ist noch ein weiter Weg für die Piraten. Sie sollten mal anfangen, die Segel zu stellen.“

- Frédéric Valin, Piraten auf Kurssuche, spreeblick.com, 15.09.09


2 Antworten auf “Piraten ohne Kompass?”


  1. 1 Hbb 16. September 2009 um 8:34 Uhr

    Bist Du denn selbst an Bord oder versuchst Du, das Piratenschiff fernzusteuern?

  2. 2 A. 16. September 2009 um 19:17 Uhr

    Beides nicht, mich frustriert nur, dass eine Partei, die ich vor ein paar Monaten noch für ziemlich cool hielt, inzwischen (anscheinend) das Sammelbecken für Idioten wird, die politische Unkorrektheit als Ausdruck von Freiheit sehen. Les dir mal die Kommentare zu Andi Popps Distanzierung durch…

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