Wissenschaftler (?!)

Eigentlich klingt ganz schön viel der Zukunftsprognosen im Spiegel ganz nett (etwa die entschleunigte Gesellschaft, Wohlstand für alle, die Durchsetzung grüner Technologien, das Begrenzen des Wachstums…). Trotzdem… irgendwie merkt man schon, wes Geistes Kind die Verfasser der zitierten Studie sind:

Das dritte Szenario, das die Zukunftsforscher entwerfen, erinnert an das weltweite Vorgehen von Regierungen in den vergangenen Monaten: Unter dem Stichwort Sozialstaat 2.0 entwerfen sie das Modell einer sogenannten Big-Brother-Ökonomie. Darin übernimmt ein neo-autoritärer Staat zumindest mittelfristig die Oberaufsicht über Schlüsselbranchen und Unternehmen und schreibt zum Beispiel Banken eine absolute Obergrenze für Eigen- und Fremdkapital vor.

Definitionssache Freiheit. Aus der Perspektive sehr vieler Menschen in dieser Gesellschaft sind es eher die Unternehmen, die überwachen, kontrollieren und Freiheit beschränken – während der Staat sie beschütz(en soll)t(e). Autorität manifestiert sich eher darin, dass eine Kassiererin wegen ‚unterschlagenen‘ Pfandbons im Wert von € 1,30 entlassen werden kann und Firmen die Daten ihrer Arbeitnehmer ausspähen. Natürlich sieht das ein Unternehmer anders. Aus seiner Perspektive ist staatliche Einmischung gleichbedeutend mit Freiheitsbeschneidung – für manche anderen ist die Einmischung des Staates überhaupt erst die Ermöglichung der eigenen Freiheit.

Wesentlich radikaler ist wiederum das vierte Szenario, das die Zukunftsforscher entwerfen. Unter dem Stichwort „Verzichtskapitalismus“ zeichnen sie das Bild einer entschleunigten Ökonomie, die das bedingungslose Wachstum nicht mehr als oberstes Ziel begreift. Grundidee ist dabei, dass der Wachstumsgedanke der vergangenen Jahrzehnte den Planeten bereits über Gebühr belastet habe und weitere fatale Konsequenzen des Klimawandels verhindert werden müssen.

Tja, Meadows, der Club of Rome, die Grenzen des Wachstums… manche Ideen brauchen halt einfach ihre 30, 40, 50 Jahre um sich durchzusetzen…

Das Problem dieses von den Autoren als „Ökosoziales Gewächshaus“ bezeichneten Szenarios liegt in der Engstirnigkeit: Die „Verzichtsideologie der Nachhaltigkeitsbüßer“ führe zu „engstirnigem Öko-Spießertum“ und sei eine „naive Vision einer Heidi-Gutmenschenrepublik“.

WHAT?!

Hier, Jungs und Mädels, ist der Wischmob. Bitte haltet euch in Zukunft von wissenschaftlichen Studien fern und geht wegen eurer Heidi-Komplexe mal zum Psychiater.

Susanne Amann, Wirtschaft nach der Krise: Eine Zukunft, vier Szenarien. Spiegel Online, 18.09.09

>>>Ich geb dir gleich mal linke Deutungshoheit!!< <<