Zwei-Klassen-Bildung

AL Alternative Liste

Diesen Flyer habe ich vor fast 4 Jahren – noch vor der Einführung von Studiengebühren – für die U-Modell-Wahlen in Karlsruhe entworfen… wer hätte gedacht, dass die Überspitzung so bald schon Realität wird?

„Man darf es deshalb durchaus wörtlich nehmen: Manchen Babys wird die Bildung in die Wiege gelegt. Der Markt macht’s möglich. Für jede Lebenslage gibt es heute das passende Angebot: Englischkurse für den Säugling, Eliteinternate für die Geschwister, MBA-Abschlüsse für Mama und Papa, Sprachreisen für die Großeltern – der bildungsindustrielle Komplex lässt keine Wünsche offen.

Natürlich sind die alten Bildungsstätten nicht verschwunden. Die staatlichen Kindergärten, Schulen und Universitäten und auch die guten alten Volkshochschulen gibt es weiterhin. Noch immer findet Bildung in der Bundesrepublik hauptsächlich in volkseigenen Betrieben statt. Doch findige Unternehmer erobern immer neue Bereiche. Aus Bildungsbürgern werden zunehmend Kunden.“

„Das Grundgesetz hat zwar nichts gegen private Schulen, im Gegenteil. Es gewährt ein Recht auf Errichtung von Privatschulen. Zugleich enthält es aber ein ausdrückliches Gebot. Es sei dafür zu sorgen, dass „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird“. Eine althergebrachte Wortwahl, doch ein brandaktueller Gedanke: Alle sollen gleiche Chancen haben.

Kritiker sehen eine solche Sonderung nun gekommen. „Hier entstehen Schulen mit Beverly-Hills-Charakter, abgeschottet von der übrigen Bevölkerung“, kritisiert Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Das Handbuch des deutschen Bildungswesens, vorgelegt vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, konstatiert eine „neue Form der Privatschulen“, die jede Chancengleichheit „außer Kraft setzen“. Die hohen Gebühren könne sich nur eine zahlungskräftige Minderheit der Bevölkerung leisten.“

Julia Bonstein, Jan Friedmann u.a., Bildung: Haste was, dann wirste was. Spiegel online, 26.09.2009