„Wir können nicht Generationen von Studenten verheizen, wie das gegenwärtig passiert.“

Ui… schon das zweite Mal, dass heute vom Verheizen von Studierendengenerationen gesprochen wird:


taz: Was wäre die Alternative?

Nida-Rümelin: Was man jetzt noch erreichen kann, ist eine gründliche Reform innerhalb des Bologna-Prozesses. Da gibt es viele Möglichkeiten, bei denen aber auch die Wissenschaftspolitik mitmachen muss. Nicht durch solche Albernheiten wie ein Nachjustieren der Studierbarkeit durch den Akkreditierungsrat. Das gehört zurückverlagert an die Universitäten. Dort ist die Kompetenz, da sind die Studierenden, da können sie mitwirken.

Die Wissenschaftspolitiker müssen außerdem endlich verstehen, dass das Betreuungsverhältnis verbessert werden muss. Wir haben an den deutschen Unis oft zehnmal so viele Studierende pro Professor wie an amerikanischen Hochschulen.

taz: Ist der Beschluss im Akkreditierungsrat also Mogelpackung statt Korrektur?

Nida-Rümelin: Warten wir mal ab, wie sich das weiterentwickelt. Ich habe ein bisschen den Verdacht, in der Wissenschaftspolitik spielen viele auf Zeit und setzen darauf, dass der Studentenprotest rasch zusammenbricht und man im Grunde mit minimalen Korrekturen so weitermachen kann wie bisher. Der Bericht, den die Bundesbildungsministerin vor wenigen Wochen dem Kabinett zum Stand des Bologna-Prozesses vorgelegt hat, ist ein Dokument der Realitätsverweigerung. Wir können nicht Generationen von Studenten verheizen, wie das gegenwärtig passiert.

taz: Was sollen die Studierenden Ihrer Meinung nach jetzt tun?

Nida-Rümelin: Die Studierenden sollten sich nicht mit irgendwelchen vagen Versprechungen abspeisen lassen. Der Druck muss aufrechterhalten werden. Nur die Studierenden werden von der Wissenschaftspolitik ernst genommen, weil sie letztlich für 2 Millionen Wählerstimmen stehen.

Ex-Kulturstaatsminister stützt Studierende: „Die Politik spielt auf Zeit“. taz Online, 08.12.09