Was uns die Finanzkrise bringt…

… die Erkenntnis, dass der als effizienter und erfolgreicher gelobte Kapitalismus in Wirklichkeit eher einem Kastensystem ähnelt, in dem die oberen Kasten das Geld der unteren Kasten verbrennen und sich dafür auch noch als Leistungsträger bezeichnen dürfen und in dem im Krisenfalle die unteren Kasten stärker besteuert werden, um den oberen Kasten weitere Kapitalverbrennungen zu ermöglichen. War irgendwie klar, dass nur Briten auf eine auf Solches hindeutende Untersuchung kommen können…

„Die Fragestellung der Analyse hat es in sich: Experten der New Economics Foundation (NEF) wollten wissen, welche Jobs mehr zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen. Im Falle der Banker verglichen sie deren Einkommen mit der Wirtschaftsleistung der Finanzexperten, also mit ihren Steuerzahlungen und der Anzahl der geschaffenen Jobs. Das Ergebnis fällt negativ aus: Für jedes Pfund, das die Spitzenbanker verdienen, zahlt die Gesellschaft sieben Pfund drauf.

Noch verheerender fällt die Bilanz bei Steuerberatern aus: 47 Pfund kostet es die Gesellschaft, wenn einer der Steuerspargehilfen ein Pfund verdient. Der „Guardian“ wird in seiner Analyse der Studie noch etwas deutlicher: Die Führungskräfte von Werbeagenturen „zerstören“ mit jedem verdienten Pfund Werte der Gesellschaft in Höhe von elf Pfund.

Bei vielen Jobs im Niedriglohnsektor fällt die Rechnung ganz anders aus, nämlich positiv. So liege das Verhältnis zwischen Einkommen und gesellschaftlicher Wertschöpfung bei Müllmännern bei eins zu zwölf. Müllmänner helfen demnach, durch Recycling CO2-Emissionen einzusparen und Rohstoffverbrauch zu verringern. Die hochbezahlten Banker hingegen hätten mit fehlgeschlagenen Spekulationen hohen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet.

In der Kinderbetreuung steht einem Pfund Einkommen ein zusätzlicher Gewinn zwischen 7,00 und 9,50 Pfund gegenüber – unter anderem, weil Eltern weiterhin arbeiten können, weil Kinder bei guter Betreuung zusätzliche Lernanreize erhalten und so in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Selbst Reinigungskräfte in einem Krankenhaus tragen laut der Studie mehr zum Wohl der Gesellschaft bei als die geschmähten Banker. „Für jedes Pfund, das wir ihnen zahlen, generieren sie mehr als zehn Pfund an gesellschaftlichem Wert“, schreiben die Autoren. Die gesellschaftliche Anerkennung für ihre Leistungen bliebe den Putzkräften aber verwehrt, die Löhne extrem niedrig.“

Britische Studie: Ökonomen preisen die Putzfrauen. Spiegel online, 14.12.09