Archiv der Kategorie 'Geschichte'

Cleo online.

taz
Eine Geschichtslehrerin wehrt sich gegen die neuen niedersächsischen Schulbücher, in denen von 52 abgehandelten historischen Personen nur acht weiblich sind… Kommentar des Vorsitzenden des Verbandes der Geschichtslehrer in Deutschland dazu? „Geschichte ist lange von Männern gemacht worden – daran kann man nichts ändern“. Die Antwort der taz-Autorin Petra Schellen:

„…es geht nicht um Promille, wenn nur ein Fünftel aller präsentierten historischen Persönlichkeiten weiblich ist. Es geht vielmehr um die Auswahl dessen, was man präsentiert: Sind es Krieg, Außendarstellung und Täter, werden die meisten Akteure vermutlich männlich sein. Sind es Zivilgesellschaft und Opfer, stellen sich die Dinge anders dar.“

Was man dem obersten Geschichtslehrer vielleicht noch entgegenhalten könnte: Geschichtsunterricht war immer didaktisches Mittel, kein perfektes Modell der Historie. Unter bestimmten Kriterien wird auch jetzt schon selektiert, was den Schülern gegenüber vermittelnswert scheint: Dies führte durchgehend zur starken Betonung der europäischen, abendländischen Geschichte gegenüber anderen, aus den Augen unserer Gesellschaft unwichtigeren Themen (wie dem traditionellerweise in zwei Absätzen abgehandelten Prozess der Entkolonialisierung oder der bis auf wenige Einzelereignisse uninteressanten Geschichte der sowjetischen Satellitenstaaten*). Wenn man also zusammenfasst, verkürzt und betont, existiert eine historische Integrität sowieso nicht mehr. Es ist ja nicht so, dass exakt 52 historische Personen alles sind, was Lernende über Geschichte wissen müssen. Unter diesem Gesichtspunkt spiegeln die Geschichtsbücher nicht wieder, was war, sondern was ein Kultusausschuss für vermittelnswert hielt.

Niedersächsische Schulbücher: Gender-Lücke im Curriculum. taz online, 03.02.2009

PS: Der Titel dieses Eintrags ist ein Wortspiel, das wohl nur Historiker verstehen.

PPS: Irgendwie erinnert die Äußerung des Herrn Lautzas an Seymour Skinner in der Simpsons-Folge „Girls Just Want to Have Sums„…;)

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*Was erfährt man beispielsweise im Geschichtsunterricht außer der Solidarność-Bewegung über Polen 1947 – 1990?

Kleine Kulturgeschichte der Vulva.

vv
Ein Interview mit der Kulturwissenschaftlerin und sex-positive-Feministin Mithu M. Sanyal zu ihrer gerade erschienenen Monografie über die kulturelle Rolle der weiblichen Geschlechtsorgane findet sich heute auf taz.de. Leider sieht Amazon die ideale Zielgruppe wohl nicht in Historik, Soziologie und Kulturwissenschaft beheimatet… zumindest kriegt man als Doppelpacket verbilligt nicht etwa Nina Degeles „Sich schön machen. Zur Soziologie von Geschlecht und Schönheitshandeln“ dazu… sondern „Yoni Massage. Entdecke die Quellen weiblicher Liebeslust – sinnlich-energetisch-spirituell“.

Mithu M. Sanyal: Vulva. Die Enthüllung des ‚unsichtbaren Geschlechts‘, 2009

Bashing U-571.

Blog

…Junge, Junge, da ärgern sich aber die Briten… In einem Artikel heute im Guardian wird der U-Boot-Weltkriegs-Thriller „U-571″ zerfetzt – ein Film, der nach seinem Release ob seiner historischen Fehler sogar von Tony Blair im britischen Parlament als Beleidigung der britischen Marine bezeichnet wurde. Lösungsvorschlag der Historikerin Alex von Tunzelmann:

„At the time of its release, Tony Blair condemned U-571 in parliament as an insult to the Royal Navy. A far more entertaining response would have been for Britain to fund a big-budget revenge epic, in which a small platoon of foppish yet plucky Brits swans over to Vietnam in 1968, defeats the Viet Cong, and wins the war. Moreover, it would be nearly as accurate as this.“

Bild vor Augen: Eine Rotte Rotröcke mit Safarihelmen im vietnamesischen Dschungel, „The British Grenadiers“ pfeifend…

Broken Crescent…

bc

Whoaaa… die gute Nachricht: Nach knapp drei Stunden Basteln und Runterladen funktioniert nun das Medieval-Mod „Broken Crescent“ auf meinem Rechner. Die schlechte Nachricht: Eigentlich sollte ich gerade nicht spielen, wenn ich doch so begeistert Hausarbeiten schreibe…:(

Naja, die Auffassung, dass Computerspiele bei der Vermittlung historischen Wissens und vor allem zum Wecken des Interesses geeignet sein könnten, setzt sich ja gerade erst durch. Man sollte nicht die Begeisterung unterschätzen, mit der Hobbyhistoriker gewillt sind, ihre PC-Spiele so historisch korrekt wie möglich zu gestalten. Und ich gehe jede Wette ein, dass ein BC-Spieler nach zwei, drei Stunden mehr über Asien zwischen Bosporus und Indischem Ozean im Mittelalter weiß, als die meisten fachfremden Historiker…

…des voleurs d‘automobiles…

Les voleurs d'automobiles
Heute auf eines.tages: Die Erfinder des Fluchtautos.

Interview mit Colin Crouch in der taz.


… der Postdemokratie-Theoretiker äußert sich zur Finanzkrise, der Wahl Obamas und der Vergleichbarkeit der heutigen Zeit mit den amerikanischen 1930er Jahren…

Wenn sich Kriegsgegner wieder mit „pestverseuchten Kühen“ bewerfen…

Ich kringelte mich auf dem Boden, als ich den Titel der Tagung las.

From:    Carl Heinze 
Date:    15.01.2009
Subject: Tagber: Wenn sich Kriegsgegner wieder mit „pestverseuchten Kühen“ bewerfen, oder: Computerspiele – Geschichte – Wissenschaft
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Universität Siegen
04.12.2008-05.12.2008, Siegen

Bericht von:
Carl Heinze, Historisches Seminar, Universität Freiburg
E-Mail: xxxxxxxxxx@xxx.de

Geschichte wird popularisiert: in Film, Dokumentation und Fernsehshow, im Historischen Roman und im Geschichtscomic, auf Mittelaltermärkten oder bei Reenactments bedeutender Schlachten. Der jüngste Workshop des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte in Siegen widmete sich einem weiteren populären Medium, das (unsere?) Vergangenheit darzustellen versucht: dem Computerspiel. Am 4. und 5. Dezember wurde an der Universität Siegen ein geschichtswissenschaftlicher Schwerpunkt auf die Analyse von Computerspielen gesetzt. Folglich wandten sich überwiegend Historikerinnen und Historiker in Referaten und Diskussionen diesem gegenwärtig so populären, gleichzeitig von der historischen Fachwissenschaft bisher fast vollständig vernachlässigten Medium zu. Angesichts der Tatsache, dass Computerspiele heute wichtige mediale Sozialisationsinstanzen sind, die zudem bestimmte Bilder von Geschichte vermitteln, ist es höchste Zeit, dass sich nach der Pädagogik, Psychologie, Medienwissenschaft und Soziologie auch die Geschichtswissenschaft mit dem Computerspiel befasst….

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Die letzten Tage des Eurokommunismus.

KP

Michael Braun: Italiens radikale Linke. Vor Abschluss der Selbstzerfleischung. taz Online, 13.01. 2009

Mega-stylish.


… nämlich der erste tschechoslowakische Science-Fiction-Film von 1963, Ikarie XB1. (Trifft es zeitlos am besten?)

Sommerloch III: Römer auch in Regensburg.

Schon wieder Römer – diesmal experimentelle Archäologie durch Teilnehmer des historischen Seminars der Uni Regensburg