Archiv der Kategorie 'Kultur'

Piraten im Europaparlament !!

piraten taz

Reinhard Wolff, Stärkste Partei bei jungen Schweden: Piratenpartei entert Europaparlament. taz Online, 08.06.2009

Das große Plus der Piratenpartei aber war, dass sie auch viele Wähler ansprechen konnten, die sich bislang kaum für die in vorherigen Wahlkämpfen diskutierten Fragen interessierten – und vermutlich auch diesmal nicht zur Wahl gegangen wären. „Viele haben verstanden, dass es nicht reicht, die Faust nur in der Tasche zu ballen, wenn der Staat uns abhört, sondern dass es Zeit ist Stellung zu nehmen“, erklärt Rick Falkvinge. Dabei war der Erfolg der Piratenpartei keineswegs ein städtisches Phänomen: Ihre Stimmen verteilen sich gleichmässig über das gesamte Land.

Auf der Wahlparty ging Spitzenkandidat Christian Engström nochmals auf die Hauptkritik gegen an der Piratenpartei ein, nämlich dass diese eine Einfrage-Partei sei – und allenfalls zwei Prozent der Politik abdecke, die im EU-Parlament gemacht werde: „Die angeblichen ‚Fullservice-Parteien‘ setzen ja auch ihre Prioritäten – nur weiss man bei denen vorher nicht, wie sie sich nachher genau entscheiden“, erklärte Engström. „Da muss man die Katze im Sack kaufen, bei uns musste man das nicht.

Piraten im Europaparlament!

Piratenpartei

…zwar nicht die deutsche Piratenpartei, aber zumindest die schwedische…;)

Am Nordpol.

Auf zwei Planeten

:) Science Fiction ist toll. Hörspiele sind ebenfalls toll (manche Leute hören ab Anfang 20 mehr „Die drei ???“ als in den zwei Jahrzehnten zuvor „Bibi Blocksberg“ oder „Huibuh, das Schloßgespenst“ zusammen). Vor ein paar Tagen bin ich auf freesound.org gestoßen, eine Open-Access-Database für Sounds… und gestern auf einige der inzwischen gemeinfreien Werke eines der ersten deutschen Science-Fiction-Autoren, Kurd Lasswitz (1848 – 1910). Und Audacity hab ich ja sowieso schon auf dem Rechner…*gg*

Nun muss ich nur noch Leute finden, die Lust haben, Sprecherrollen in einer episodenhaften Hörspielvertonung von Lasswitz‘ „Auf zwei Planeten“ zu übernehmen. Und evtl. ein besseres Mikro.

(Leute aus Karlsruhe, bitte melden! :) )

Black Flag Flying

Tani hat es schon geschrieben… falls ihr uninteressiert an der Piratenpartei, aber interessiert an wunderbarem Folk Rock seid, kuckt euch das Video allein schon wegen der Musik an…

Musik: David Rovics, „Black Flag Flying“

Noch vier Tage… Spread the word

Piratenpartei bei der Europawahl!

Ok,
bei dieser Europawahl gebe ich wohl meine Stimme der Piratenpartei. Ich meine, wenn es die Piraten reinschaffen, hätte ich wohl das erste Mal, seitdem ich den Europabogen ausfülle, das Gefühl, dass es eine Rolle spielt, wofür ich mich alle 5 Jahre entscheide.

Leyen Schäuble


Hier übrigens noch ein interessanter Text des schwedischen Autors Lars Gustafsson mit der Begründung seiner Entscheidung (Übersetzung von Jens Seipenbusch, Piratenpartei):

Lars Gustafsson: „Warum ich die Piratenpartei wähle“

Einer alten Quelle zufolge ordnete der Kaiser von Persien an, dass die Wellen der See mit Schlägen bestraft werden müssten, weil ein Sturm ihn daran hinderte, seine Truppen per Schiff zu transportieren.

Das war ziemlich dumm von ihm. Hätte er es heutzutage womöglich mit dem Stockholmer Bezirksgericht versucht? Oder mit einem Beratungsgespräch mit dem Richter? Es ist seltsam, wie stark mich die Situation im Frühjahr 2009 – auf dem Feld der Bürgerrechte – an die Kämpfe um die Pressefreiheit in Frankreich während der Dekaden vor der französischen Revolution erinnert. Eine neue Welt der Ideen entsteht und hätte nicht entstehen können ohne die beschleunigende Technologie. Razzien gegen geheime Druckereien, konfiszierte Streitschriften und – sogar – konfiszierte Druckmaschinen (/Druckerpressen). Haftbefehle und abenteuerliche nächtliche Transporte zwischen der preußischen Enklave Neuchâtel – wo nicht nur große Teile der Enzyklopädie produziert wurden sondern auch viel gewagte Pornographie, dazwischen atheistische Flugblätter – und Paris. Zwischen den 1740ern und 1790ern hat sich die Anzahl staatlicher Zensoren in Frankreich vervierfacht. Die Razzien gegen illegale Druckereien nahmen etwa im gleichen Maße zu. Im Rückblick wissen wir, dass es nicht geholfen hat. Im Gegenteil, die Zunahme von Zensur und Druckerei-Razzien hatte einen stimulierenden Effekt auf die neuen Ideen und hat sie sich sogar noch schneller verbreiten lassen.

Heute wütet der Streit über das Weiterbestehen des Internets als Forum von Ideen und als Verkörperung[U] von Bürgerrechten, geschützt vor die Privatsphäre bedrohenden Eingriffen und gegen mächtige private Interessen. Dass eine verrückter französisch-deutscher Vorschlag gerade vom Europäischen Parlament zurückgewiesen wurde, bedeutet sicherlich nicht, dass die Freiheit des Netzes und die Privatsphäre nun gewährleistet sind. Wie real sind nun diese Bedrohungen? Denken wir an den Fluß Dalälven zur Zeit der Schneeschmelze im Frühjahr.[U] In kritischen Jahren dringt das Wasser 100 oder 200 Meter weit auf Grundstücke und Wiesen vor. Hilft es da, wenn man die örtliche Polizei [von Ludvika] anruft?

Bislang – dies zeigt die geschichtliche Erfahrung – hat die Gesetzgebung es noch nie vermocht, technologische Entwicklungen zu stoppen. Walter Benjamin hat ein einflußreiches Essay geschrieben, dessen Titel üblicherweise als „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ übersetzt wird, und in dem er eine Reihe interessanter Schlußfolgerungen zieht hinsichtlich der radikalen Veränderungen, die auf den seinerzeit bescheidenen Grad der Reproduzierbarkeit folgen müssen. Die digitale Revolution hat eine Reproduzierbarkeit mit sich gebracht, von der Walter Benjamin wohl kaum je geträumt haben dürfte.Man könnte von maximaler Reproduzierbarkeit sprechen. Google baut gerade eine Bibliothek auf, die, falls ihr zu wachsen erlaubt wird, die meisten anderen Bibliotheken überflüssig oder zumindest überholt erscheinen läßt.

Kinofilme und gedruckte Zeitungen werden schon seit längerem in diese neue Immaterialität hineingezogen. Filme, Novellen, Magazine lassen sich [selbst] reproduzieren. Mehr noch, auch dreidimensionale Objekte, wie Produkte von programmierbaren CNC-Drehmaschinen, lassen sich reproduzieren. Drahtlos und schnell. Diese Immaterialisierung bedroht natürlich das materielle Copyright. Und dabei sprechen wir nicht nur über mittelmäßige Autoren, wie Herrn Jan Guillou, dessen soziale Probleme beim Akquirieren neuer Landstände ich ehrlicherweise ignoriere.

Materielles Copyright(/Urheberrecht) hat viel ernstere Aspekte: Was haben die Patente großer Pharmaziefirmen auf Aids-Medikamente für die Dritte Welt bedeutet? Oder was ist mit dem Anspruch von Monsanto auf Rechte an Getreide und Schweinen? Jede Gesellschaft muss ihren Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen finden und jeder heuchlerische Versuch, dies zu ignorieren, ist Unfug. Eine funktionierende militärische Verteidigung ist wichtiger als Eissporthallen und Fahrradwege. Wahrscheinlich stellt das Netz eine Bedrohung des Copyrights auf Material dar, na und?

Intellektuelle und persönliche Integrität für die Bürger, kurz gesagt ein Internet, das nicht von lobbygetränkten Gerichten und angeleinten EU-Politikern in einen Regierungskanal umgewandelt wurde, ist wohl wichtiger als die Belange einer primär industriellen Szene der Literatur und Musik, die bereits zu Lebzeiten der Autoren schnell zerbröckelt. Das Bedürfnis gelesen zu werden, zu beeinflussen, die eigenen Zeiten in Worte zu fassen, mag in Konflikt geraten mit dem Wunsch, viele Kopien zu verkaufen, muss es aber nicht zwingenderweise. Wenn diese beiden Bedürfnisse in Konflikt geraten, muss das industrielle Interesse zurückgestellt werden und der große intellektuelle Bereich der Künste muss gegen Bedrohungen verteidigt werden.

Das wesentliche Interesse von Künstlern und Autoren, vorausgesetzt sie sind intellektuell und moralisch ernsthaft in dem was sie tun, muss sicher das sein, gelesen zu werden, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen in ihrer Generation. Wie dieses Ziel erreicht wird, das heisst, wie man die Leser erreicht, ist aus dieser Perspektive von sekundärem Belang.

Die zunehmende Verteidigung der durch das Internet ausgedehnten Meinungsfreiheit, der immateriellen Bürgerrechte, deren Zeuge wir heute in einem Land nach dem anderen werden, ist der Beginn eines – genauso wie zuletzt im frühen 18. Jahrhundert – Liberalismus, der von einer Technologie getragen wird und daher emanzipiert ist.

Aus diesem Grund geht meine Stimme an die Piratenpartei. (se, de)

Klaus Staeck auf eines.tages

Staeck Spiegel Online

Staeck Spiegel Online

Staeck Spiegel Online
„Bankensicherungsschirm“

Einen Artikel über den Künstler und Politgrafiker Klaus Staeck (der seit mehreren Jahrzehnten wunderbar linke Plakate zum Zetgeschehen bastelt, gibt es heute auf eines.tages.

Christoph Gunkel: Plakatkünstler Klaus Staeck: Pro! Vo! Ka! Tion! eines.tages, 29.05.2009

DuBistTerrorist.de

Digital Natives Vs. „Internetausdrucker“

Politiker stopp

Oho, da formiert sich doch glatt die lange schon überfällige Gegenposition der erfahrenen Internetnutzer gegen die technisch naiven Politiker des Bundestages… Trendwort des Tages: „Internet-Ausdrucker“ (zugegebenermaßen nicht so knackig wie „Luddit“ oder „Maschinenstürmer“) für Angehörige der Legislative, die mit Homepages in Form von Ausdrucken umgehen und grundsätzlich die neue Technologie aus Angst und Unverständnis zähmen und beschränken wollen.

Petition gegen Internetsperren: Blogosphäre gegen „Guttenzwerg“. taz Online, 12.05. 2009

Internet-Ausdrucksperre gegen Politiker: „Jetzt wird zurückzensiert!“. taz Online, 11.05. 2009

www.politiker-stopp.de: Jetzt wird zurückzensiert!

Petition: Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten vom 22.04.2009 auf bundestag.de
(Mitzeichnen!!)

Easter Rising 2009.

Nichts ist mehr heilig…

Golo Mann wikicommons

… wobei man bei der Mann-Familie sowieso nicht mehr viel an Mythen zerstören kann; trotzdem war ich entsetzt zu lesen, dass Golo Mann laut einem Interview in der Frankfurter Rundschau anscheinend doch lockerer war, als in einem Lektüreseminar zu seiner Deutschen Geschichte des 19. und 29. Jahrhunderts im letzten Semester rüberkam. Anstatt des unterdrückten, zwangszölibatären Homosexuellen, wie er sich kurz vor seinem Tod dem Journalisten Wolfgang Korruhn gegenüber bekannte, liest man dort von einem zwar zurückhaltenderen Mann, der allerdings mitunter fröhlich seine Sexualität mit Freunden und (bezahlten) Bekanntschaften auslebte und auch an Praktiken wie Spanking und SM durchaus seinen Spaß hatte… und nun ja, der Titel des Artikels sagt schon aus, dass es dabei weniger um Historik und Literatur geht.

Interview zu Golo Mann mit Rudi Bliggenstorfer: „Hau ihn, hau ihn, ruhig ein bisschen mehr“. Frankfurter Rundschau, 27.04.2009