Archiv der Kategorie 'Tagesgeschehen'

Smells like ’68

Spiegel Promo

Zugegeben, wir werden die Generation der armen, arbeitslosen Universitätsabsolventen werden (Generation-Ⓐ?) – aber zumindest auch die der gebildetesten, weisesten, akademischsten und promoviertesten armen arbeitslosen Universitätsabsolventen, wenn jetzt jeder vorm Gang zur Agentur und schlußendlichem Stempelgehen noch kurz seinen Master bzw. Doktor hinknallt… Vielleicht nicht die prickelndste Grundlage für eine moderne Gesellschaft, aber auf jede Fall auch nicht die schlechteste. (Und am Anfang sagten mir noch alle, dass ich möglichst schnell mit dem Bachelor fertig werden soll…)

„In Zeitungen und auf den großen Jobbörsen nach Stellen zu suchen, bringt wenig, sagt Trost … Eine Lösung könne auch sein, an die Uni zurückzukehren und noch „einen Master oder einen Doktor draufzusetzen“.“

Christoph Titz, Miese Job-Chancen für Uni-Absolventen: Letzter Ausweg Doktortitel. Spiegel Online, 29.05.2009

Normalität.

Statistik zu ausländerfeindlichen Ressentiments bei Jugendlichen auf Spiegel Online

Philipp Wittrock: Jugendstudie. Im rechtsextremen Dunkelfeld. Spiegel Online, 18.03.2009

Heute in Pforzheim: Als ich aus der Unterführung am Bahnhof laufe, sehe ich, dass der Kiosk dort Fahnen neben dem Zeitschriftenregal verkauft. Mit dabei: Die Reichskriegsflagge aus dem Kaiserreich.

Abends dann am Bahnhof. Ein Blick auf den Zigarettenautomaten, an dem ich gerade eine Schachtel Gauloises hole und der autonom erscheinende Aufkleber gegen Repression entpuppt sich als Werbung für den Heidnischen Sturm Pforzheim.

Alles ganz normal, oder?

Zellteilung.

„…Rainer Hanks „Der amerikanische Virus“ ist ein gutes Heilmittel gegen solche Illusionen. Hank macht klar, es ist nicht allein die Globalisierung, die nationale Buchhaltungen, von denen Lange noch träumte, lächerlich werden lässt. Märkte expandieren nicht nur. Sie differenzieren sich. Statt eines Telefontyps gibt es Hunderte. Märkte zerfallen in Teilmärkte. Sie funktionieren nicht anders als die Evolution. Zellteilung und Zellverschmelzung sind ihr Gesetz….“

Oh, äh… war da nicht was mit, hm… Variation, Replikation und Selektion? Universellem Darwinismus? Atavismen, egoistischen Genen? Ach nein? Doch nur irgendwas mit „Zellteilung und Zellverschmelzung“?
Journalistische Artikel zerfallen in Blablabla. Sie funktionieren nicht anders als der Kapitalismus. Ständige Präsens-Verwendung, Vier-Wort-Sätze für die Doofen und oberflächliche Entrüstungslyrik sind ihr Gesetz.

Finanz-Crash: Von denen, die huldigen. Frankfurter Rundschau Online, 09.03.2009

(Weiß Gott, bald richte ich eine Kategorie „Von Evolution keine Ahnung, aber Hauptsache das Schlagwort im Darwin-Jahr erwähnt“ ein…)

Bashing U-571.

Blog

…Junge, Junge, da ärgern sich aber die Briten… In einem Artikel heute im Guardian wird der U-Boot-Weltkriegs-Thriller „U-571″ zerfetzt – ein Film, der nach seinem Release ob seiner historischen Fehler sogar von Tony Blair im britischen Parlament als Beleidigung der britischen Marine bezeichnet wurde. Lösungsvorschlag der Historikerin Alex von Tunzelmann:

„At the time of its release, Tony Blair condemned U-571 in parliament as an insult to the Royal Navy. A far more entertaining response would have been for Britain to fund a big-budget revenge epic, in which a small platoon of foppish yet plucky Brits swans over to Vietnam in 1968, defeats the Viet Cong, and wins the war. Moreover, it would be nearly as accurate as this.“

Bild vor Augen: Eine Rotte Rotröcke mit Safarihelmen im vietnamesischen Dschungel, „The British Grenadiers“ pfeifend…

Interview mit Colin Crouch in der taz.


… der Postdemokratie-Theoretiker äußert sich zur Finanzkrise, der Wahl Obamas und der Vergleichbarkeit der heutigen Zeit mit den amerikanischen 1930er Jahren…